Karlsruhe glänzt international als Startschuss der IAAF World Indoor Tour

Überragender Raphael Holzdeppe verweist den Weltrekordler auf Rang zwei / Asienrekord durch Su Bingtian / 4.500 begeisterte Besucher in einer restlos ausverkauften Leichtathletik-Arena / Millionen weltweit per Live-Stream dabei

Mehr als 130 Athleten aus 46 Nationen gingen bei der 34. Auflage des INDOOR MEETINGs Karlsruhe an den Start. Was die Athleten beim Auftakt der IAAF World Indoor Tour auf die Bahn legten, war dann aller Ehren wert. Highlights des Abends waren sicherlich der 1.500 Meter-Lauf, bei der die Äthiopierin Genzebe Dibaba mit ihrer Zeit von 3:57,45 Minuten nur zwei Sekunden an ihrem Weltrekord, den sie 2014 in Karlsruhe aufgestellt hat, vorbeischrammte. Doch auch Deutschlands Laufwunder Konstanze Klosterhalfen begeisterte das Karlsruher Publikum. Ihre Aufholjagd in der Schlussrunde bescherte ihr Rang zwei in einer starken Zeit von 4:04,00 Minuten, was zugleich ihre persönliche Bestleistung bedeutete. Den seit 33 Jahren bestehenden deutschen Hallenrekord verfehlte die 20-jährige Klosterhalfen um nur 36 Hundertstelsekunden. Nicht weniger spektakulär war der Stabhochsprung-Wettbewerb, über den im Vorfeld viel gesprochen wurde. Am Ende war es ein überragender Raphael Holzdeppe, der sich mit 5,88 Meter und damit Weltjahresbestleistung nicht nur die Norm für die Hallen-WM in Birmingham sicherte, sondern auch den Sieg beim INDOOR MEETING Karlsruhe vor dem Franzosen und Weltrekordler Renaud Lavillenie. Beide lieferten sich ein packendes Duell um den Sieg. „Es war ein perfekter Abend für mich. Es ist immer schön wenn man ein solches Meeting auf deutschem Boden gewinnen kann. Die Stimmung hier in Karlsruhe hat dabei auch seinen Teil dazu beigetragen. Das Publikum war super, die Stimmung sensationell“, so ein begeisterter Raphael Holzdeppe bei der anschließenden Pressekonferenz. Einen neuen Asienrekord lief der Chinese Su Bingtian über die 60 Meter der Männer. In rasanten 6,47 Sekunden überquerte Bingtian die Ziellinie vor seiner Konkurrenz um Everton Clarke (6,54 Sekunden) und Yunier Pérez aus Spanien (6,54 Sekunden), die nach Einsicht des Zielfotos Platz zwei und drei unter sich ausmachten.

Während sich beim Weitsprung der Frauen das Geburtstagskind Malaika Mihambo mit 6,72 Meter den Sieg vor Sosthene Moguenara (6,70 Meter) und der Europameisterin Ivana Spanovic (6,61 Meter) sicherte, setzte sich bei den Herren der Cubaner Juan Miguel Echevarria mit einem Sprung auf 7,97 Meter gegen den Lokalmatador Julian Howard (7,78 Meter) durch. Damit sicherte sich mit dem erst 19-jährigen Echevarria der jüngste Athlet beim INDOOR MEETING Karlsruhe 2018 den Sieg im Weitsprung.

Knapp ging es auch bei den 60 Meter der Frauen zu. Da war es Tatjana Pinto, die nach ihrem Sieg beim ISTAF Indoor eine Woche zuvor auch in Karlsruhe mit 7,10 Sekunden die Sprintbahn als Siegerin verließ. Ebenfalls eine Deutsche landete auf Platz zwei. Lisa Meyer sicherte sich in 7,12 Sekunden und damit neuer persönlicher Bestleistung den zweiten Rang hinter einer an diesem Tag zu starken Tatjana Pinto. „Es war definitiv sehr knapp. Ich freue mich das bereits zweite Meeting dieses Jahr gewonnen zu haben – in so einem Weltklasse-Feld. Hier in Karlsruhe ist die Stimmung mega gut. Die Leute machen jede Menge Alarm, das macht richtig Spaß!“, so Pinto nach ihrem Lauf. Bei der dritten Sprintdisziplin, den 60 Meter Hürden der Frauen lautete der Zieleinlauf zweimal Amerika vor Deutschland, oder besser gesagt Sharika Nelvis (7,80 Sekunden) vor Christina Manning (7,81 Sekunden). Eine starke Cindy Roleder meldete sich nach rund  siebenmonatiger Verletzungspause mit einer Zeit von 7,84 Sekunden mit Rang drei zurück.

Bei den beiden 400 Meter Zeitläufen der Frauen setzte sich die Schweizer Leichtathletin des Jahres 2017 Léa Sprunger in 52,03 Sekunden gegenüber ihren Kontrahentinnen Anita Horvart und Phil Healy durch. Mit einem erneuten Triumph von Marie-Laurence Jungfleisch in der Karlsruher Leichtathletik-Arena wurde es in diesem Jahr nichts. Jungfleisch übersprang an diesem Tag nur 1,89 Meter, was nicht zu einem Sieg reichte. Diesen sicherte sich die Silbermedaillengewinnerin von Rio Mirela Demireva aus Bulgarien mit 1,95 Meter vor der Vize-Weltmeisterin Yuliya Levchenko (1,92 Meter). Bei den Männer-Mittelstrecken-Disziplinen war es der Pole Marcin Lewandowski über die 800 Meter, der mit seiner Zeit von 1:46,90 Minuten am Ende den Siegerpokal der Dorotheenhütte entgegennehmen durfte. Ein starker Christoph Kessler von der LG Region Karlsruhe landete auf Rang füng, seine Zeit von 1:47,80 bedeutete jedoch persönliche Hallenbestzeit. Die 3.000 Meter der Männer waren wie erwartet eine Äthiopische Angelegenheit. Hagos Gebrhiwet absolvierte die 15 Runden in Weltjahresbestleistung von 7:37,91 Minuten vor seinem Landsmann Yomif Kejelcha (7:38,67 Minuten).

Sportdirektor Alain Blondel zog ein begeistertes Fazit: „Karlsruhe hat ein Sportspektakel erlebt. Das Publikum hat die Weltklasse-Leistungen der Athleten mit großartigem Jubel honoriert – wir haben hier in Karlsruhe eine bisher noch nie dagewesene Atmosphäre erlebt.“ Martin Wacker, Meetingdirektor und Geschäftsführer der ausrichtenden Karlsruhe Marketing und Event GmbH, richtete seinen Dank an die Sponsoren und die zahlreichen ehrenamtliche Helfer: „Ohne die breite Unterstützung der vielen Partner und Sponsoren wäre ein solches Meeting auf einem Weltklasse-Niveau wie wir es in Karlsruhe haben, nicht möglich. Wir haben eine Sportveranstaltung erlebt, die nicht nur die Besucher in der Halle begeistert hat, sondern auch Millionen per Live-Stream weltweit. Das INDOOR MEETING Karlsruhe ist das Aushängeschild des Landes Baden-Württemberg und mit diesem Meeting heute auch ein Aushängeschild für die Sportnation Deutschland. Darauf kann Karlsruhe mächtig stolz sein“. Gerade der Asienrekord von Su Bingtian ließ die Bewegtbildverbreitung auf dem chinesischen Milliarden-Markt in die Höhe schnellen. Zahlreiche Nachrichtensendungen widmeten sich seinem Rekordlauf – wohl wissend, dass hier beim INDOOR MEETING Karlsruhe ein zukünftiger Superstar eine gewaltige Duftmarke gesetzt hat. Ähnliches lässt sich im nordafrikanischen Raum beobachten: Genzebe Dibaba auf allen Kanälen. Für über 100 Millionen Äthiopier ist ihr Lauf mit der zweitschnellsten jemals erreichten Zeit in den heimischen Medien omnipräsent. Aber auch in vielen anderen Ländern auf dem Globus greifen die Nachrichtensendungen auf das von EBU/ESPN zur Verfügung gestellte Material zurück um über die Leistungen der heimischen Athleten zu berichten.

Mit der IAAF World Indoor Tour geht es am 6. Februar in Düsseldorf weiter, bevor nach den Stationen Madrid (8. Februar), Boston (10. Februar) und Torun (15. Februar) am 25. Februar im schottischen Glasgow die Gewinner der IAAF World Indoor Tour 2018 gekürt werden.